Pressestimmen: Ausstellung RECTO-VERSO. Die verborgenen Gesichter der Gewalt gegen Frauen

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Andrée Birnbaum (Leiterin von Femmes en Détresse), Karin Manderscheid (Präsidentin von Femmes en Détresse) und Isabelle Schroeder (Ministerium für Chancengleichheit Luxemburg).

 

Lëtzebuerger Journal: Die Ausstellung „RECTO-VERSO. Die verborgenen Gesichter der Gewalt gegen Frauen“ in der „Cité-Bibliothèque“

SIMONE MOLITOR

Bilder, Erfahrungsberichte, Bücher: Gleich drei Ausstellungen im Rahmen der „Orange Week“

Treffender hätte der Titel nicht gewählt werden können: „RECTO-VERSO. Die verborgenen Gesichter der Gewalt gegen Frauen“, heißt die Ausstellung, die im Rahmen der „Orange Week“ in der hauptstädtischen „Cité Bibliothèque“ gezeigt wird. Realisiert wurde sie von „Femmes en Détresse asbl.“ in Zusammenarbeit mit dem „Institut für Geschichte und Soziales Luxemburg asbl.“. Wer aber glaubt, kunstvolle Gemälde, Skulpturen oder Fotografien bestaunen zu können, liegt falsch. Bei dieser Expo geht es nämlich darum, zu verdeutlichen, dass Gewalt gegen Frauen durchaus auch ein Thema in Luxemburg ist. Der emotionalste Teil der Ausstellung: Die Lebensgeschichten verschiedener, von häuslicher Gewalt betroffener Frauen werden unverfälscht anhand von Zitaten – manche noch dazu mit Zeichnungen betroffener Kindern versehen – auf Plakaten aufgegriffen. Deutlich wird, dass der Schein oft trügt, dass hinter der vermeintlichen Familienidylle viel Leid steckt, und dass hinter der gepflegten Hausfassade Gewalt – physische und psychische – an der Tagesordnung ist.

Wenn der Schein trügt

„Es geht nicht nur um Frauen, die geschlagen werden, sondern auch um diejenigen, denen ständig vermittelt wird, dass sie nichts wert sind. Verletzende Worte können sich manchmal noch schlimmer anfühlen wie eine Ohrfeige“, gab Schöffin Colette Mart während der Ausstellungseröffnung am Donnerstag zu bedenken. „Die Zeugnisse dieser Frauen verdeutlichen, in welch katastrophale Situation Gewalt eine ganze Familie bringen kann“, verdeutlichte „Femmes en Détresse“-Präsidentin Karin Manderscheid. „Vieles sieht man nicht, wenn es um Gewalt geht. Die Lebensgeschichten, die hier erzählt werden, sind real. Sie sind nicht übertrieben“, fügte Andrée Birnbaum, Direktorin der „Femmes en Détresse“, hinzu. „RECTO-VERSO. Die verborgenen Gesichter der Gewalt gegen Frauen“ ist bis zum 26. November in der Stadtbibliothek zu sehen.

Büchersammlung im CID

Auch die Bibliothek des „CID – Fraen an Gender“ (14, rue Beck, Luxemburg) beteiligt sich an der „Orange Week“, dies mit einer Buchausstellung, die die ganze Bandbreite des Themas zeigt. Dazu gehören theoretische Werke, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen aus einer politischen oder historischen Perspektive beleuchten. Hinzu kommen Bücher, die einzelne Formen von Gewalt getrennt behandeln, aus soziologischer oder therapeutischer Sicht oder in Form von Erfahrungsberichten. Außerdem werden Werke in den Vordergrund gerückt, die sich mit den Hilfsstrukturen für betroffene Frauen und Mädchen auseinandersetzen (Beratungseinrichtungen, Frauen- und Mädchenhäuser, Notrufe, verschiedene Therapieformen). Ratgeber zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung gehören ebenfalls dazu.